Die litauischen Burghügel sind keine gewöhnlichen Hügel. Sie sind ein Erbe, das an die heidnische Kultur erinnert, und Schätze der Landschaft, obwohl ihre historische Funktion schon längst verloren gegangen ist. Jenen, die nach malerischen Orten suchen, sei empfohlen, den Burghügel von Paliepiai in Babtai, Bezirk Kaunas, zu besuchen. Von ihm aus eröffnet sich ein spektakuläres Panorama, und das Begrüßen bzw. Geleiten der Sonne kommt der besten Meditation gleich.

Beschreibung

Es gibt in Litauen fast 900 Burghügel. Diese Objekte des Kulturerbes sind beeindruckende Akzente der Landschaft, die in der Vergangenheit als Verteidigungsplätze, Siedlungen, Orte für Burgen und Landgüter von Bedeutung waren. Mit der Zeit büßten die meisten Burghügel ihre ursprüngliche Funktion aus der frühen Metallzeit, der Eisenzeit, des Mittelalters und der Neuzeit ein.

 

Die Wälle und die Gräben am Fuß der Burghügel haben als Verteidigungsanlagen gedient, von denen die Sicherheit der Burgbewohner abhängig war. Es brauchte viele Arbeitsstunden, viel Kraft, viel Geschick und viel Baustoff, um diese Verteidigungsplätze einzurichten. Die Verteidigungsanlagen zeugen davon, wie wichtig die Burghügel im Kampf gegen die Kreuzritter waren. Auf den Plattformen der Burghügel siedelten sich die Handwerker und die Händler ein, die dort ihre Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude bauten.

Der Berghügel Piepaliai befindet sich rechts von der Straße Babtai-Raudondvaris. Es wird auf das 1.-2. Jh. datiert, und 1880 wurde er im Warschauer Geographischen Wörterbuch erwähnt. Sein Geheimnis steckt nicht in der Größe und Höhe, sondern im Panorama, das die ganze Schönheit der litauischen Natur darstellt. Nachdem 101 Stufen findet man auf dem oberen Teil des Hügels einen kleinen Aussichtsplatz, von den aus sich ein wundervoller Ausblick auf den Fluss Nevėžis und an die ehemalige Siedlung Babtai aus dem 16. Jh. Die Höhe der Berghügel beträgt ca. 15 Meter. Der Aussichtsplatz oben ist dreieckig, 17 m lang und 24 m breit, darauf gibt es noch einen 3 m hohen und 18 m breiten Wall. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick auf den Nevėžis, den bedeutendsten Fluss in Zentrallitauen, der nach langen 209 Kilometern in die Memel mündet. Laut einer etymologischen Version entstammt der Name des Flusses einer Kombination der Wörter „ne-vėžys“ was auf Deutsch „Nicht-Krebs” bzw. „Fluss ohne Krebse“ bedeutet. Es gab in dem Fluß jedoch immer viele Krebse. Eine andere Erklärung für die Benennung des Flusses hängt mit dem Wort „nevežti“ zusammen, was „nicht transportieren“ bedeutet, weil der Fluss sehr langsam fließ. In alten Zeiten bildete der Nevėžis die Grenze zwischen Hoch- und Niederlitauen.  

Der Ursprung des Burghügelnamens könnte auch im Zusammenhang mit dem Landhaus Žemaitkiemis stehen, das sich in der Nähe befindet. Ursprünglich wurde der Berghügel Piepaliai Žemaitkiemis genannt. Doch in der Zwischenkriegszeit, im 20. Jh., wurde der Ort auf Initiative des Grundbesitzers V. Nagevičius umgenannt.

Der Burghügel wird auch Babtynas genannt. Der Name stammt von dem in der Nähe angelegten Landgut Babtynas aus dem 16. Jh. In der historischen Literatur wird der Burghügel noch als Babcina bezeichnet. Ursprünglich nannte man das Dorf Babcinà, Babcýna, Babtinė, Babtynė, Babtiniai, Babtynas und ähnlich. Es wird angenommen, dass die Bezeichnung des Burghügel vom Namen des Städtchens Babtai oder vom Namen Babtas herrührt. Das Städtchen Babtai wurde 1394 in den Beschreibungen des Kreuzweges als Baptindorf erwähnt. Die erste hölzerne Kirche wurde 1672 gebaut, und im 19. Jh. gab es in Babtai die Holzkirche der Hl. Apostel Peter und Paul. Im Ort hat es mehrmals starke Brände gegeben. Der Name Babtai ist schwer zu erklären, weil weder die litauische, noch die lettische oder die preußische Sprache Wörter mit dem Wortstamm babt- oder bapt haben. Höchstwahrscheinlich ist die Bezeichnung auf den Namen einer Person zurückzuführen. Leider gibt es heutzutage keine Nachnahmen wie Babtas oder Baptas mehr. Seit der Gründung des Städtchens in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ist dieser wohl sehr individuelle Name allmählich verschwunden. 

Heute ist es hier ruhig, aber in der Vergangenheit war viel los. Die Einheimischen haben bei Ausgrabungen viele Reste von Ziegeln und alten Bauten gefunden. Der Burghügel steht an einem malerischen Ort – auf einer Hochebene im Tal des Nevėžis. Im Süden und Südwesten des Burghügels fließt der Bach Asiūklis, im Osten liegt das Nevėžis-Tal. Man nimmt an, dass in der Vergangenheit das flache Plateau des Berghügels von kleinen Gemeinschaften bewohnt wurde und erst später dort Verteidigungsanlagen errichtet wurden. Damals sind die ersten Siedlungen am Fuße der Berghügel entstanden. Also ist es wert sich vorzustellen, wie hektisch das Leben da unten war – viele Menschen, laute Handwerksbetriebe, intensiver Handel. 

Heute erzählt man sich viele Legenden über den Burghügel: auf ihm spuke es; der Burghügel sei zur Zeit Napoleons von den Schweden mit ihren Mützen aufgeschüttet worden. Eine andere Legende ist besonders phantasievoll: Sie erzählt zon zwei Brüdern, die eine Truhe voll Geld gefunden haben. Dann kam es zwischen ihnen zum Streit, wer auf die Truhe aufpassen und wer die Pferde holen sollte, um die Truhe zu transportieren. Da fluchte einer der Brüder plötzlich: „Soll sie doch im Erdboden verschwinden“. Die Truhe ist im Nevėžis untergegangen, und so liegt der Schatz bis heute noch irgendwo im Flussbett…

Heute werden während der warmen Jahreszeiten auf dem Gelände des Burghügels jährlich traditionelle baltische, christliche und staatliche Feste gefeiert: Der Sonnenuntergang wird beobachtet, Lagerfeuer wird entfacht und Volkslieder werden gesungen. Die Feierlichkeiten locken nicht nur die Einwohner der Umgebung, sondern auch Gäste aus anderen Städten an.