Haben Sie jemals davon geträumt, mit einem Künstler spazieren zu gehen und die Quellen seiner Inspirationen herauszufinden? Möchten Sie sich von seinen Musen inspirieren lassen? Möchten Sie erfahren, welche Musik ihn fasziniert? Der berühmte litauische Künstler Mikalojus Konstantinas Čiurlionis weilt schon lange nicht mehr unter uns, jedoch spürt man ihn bei jedem Schritt, wenn man das in seinem Namen benannte Museum besichtigt. Ein Besuch des Museums ist wie ein Weg, den man zusammen mit dem genialen Künstler geht.

Beschreibung

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis wurde am 22. September 1875 in Varena in der Familie von dem Organisten Konstantinas Čiurlionis und Adelė Marija Magdalena Radmanaitė-Čiurlionienė geboren. Er war das älteste von neun Kindern in der Familie Čiurlionis.

1885 absolvierte M.K. Čiurlionis die Volksschule von Druskininkai. Sein Vater brachte ihm das Klavier- und Orgelspiel bei. Ein Familienfreund, der Arzt Jozefas Markevičius (Markiewiczius), gab dem Fürsten Mikołaj Ogiński, der in Plungė eine Orchesterschule besaß, eine Empfehlung, den jungen M.K. Čiurlionis zu schulen. Hier lernte Čiurlionis die Musiktheorie und schuf erste kurze Werke. Mit sechzehn Jahren lernte er Flöte zu spielen und spielte in Orchesterkonzerten in Palanga, Riga und Rietavas.

1903 malte er einen Zyklus von sieben Gemälden mit dem Namen „Begräbnissymphonie“. Er begann auch damit, die Symphonische Dichtung „Das Meer“ zu schaffen. Um sich uneingeschränkt dem Studium der Malerei widmen zu können, lehnte er das Angebot von E. Mlynarski ab, an der Musikuniversität von Warschau zu unterrichten.

Professionelles Interesse an der Kunst äußerte sich beim M.K. Čiurlionis relativ spät: Erst im Jahre 1902 in Warschau hat er die ersten Schritte in der Malerei gemacht. Das Programm des akademischen Studiengangs Malerei enttäuschte ihn aber. Er stand dem Symbolismus sehr nahe, hielt seine Eigentümlichkeit aufrecht und neigte eher zu visuellen Abstraktionen und philosophischen Verallgemeinerungen. Neben den traditionellen Genres der Malerei erfand Čiurlionis neue Richtungen – er versuchte die kompositorischen Strukturen von Sonaten, Präludien und Fugen in der Sprache der Farben und Bilder zu vermitteln. M.K. Čiurlionis war mit dem philosophischen Kontext seiner Zeit gut vertraut, der damals von Ideen von Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer geprägt wurde. So sind alle Werke von M.K. Čiurlionis von den Motiven des Todes, des Untergangs und der Zerbrechlichkeit des Lebens durchsetzt.

Im Laufe der Zeit organisierte M.K. Čiurlionis immer mehr persönliche Ausstellungen. Er war ständig unterwegs, wobei er gleichzeitig auch Bilder malte und Musik schuf. Er jungen Talenten Privatunterricht, studierte selbst immer noch an der Kunstschule und leitete den Chor der Litauischen Selbsthilfegemeinschaft in Warschau. 

Das Symbol von M.K. Čiurlionis ist der Individualismus.  Es scheint, dass er sich durch seine Einzigartigkeit von den anderen Individualisten, Symbolisten und Impressionisten deutlich unterscheidet. Mit seinen Werken hat er sich selbst und uns allen einen neuen Weg in eine reizvolle und unbekannte Welt geschaffen.

1921 verabschiedete der Konstituierende Seimas Litauens (das Parlament) ein Gesetz zur Gründung der M. K.-Čiurlionis-Galerie. Dank der Bemühungen von Paulius Galaunė wurde am 13. Dezember 1925 in Kaunas eine temporäre Čiurlionis-Galerie eröffnet. Am 1. November 1936 zog die Galerie in einen Neubau des Kaunasser Museums für Geschichte und des M.K.-Čiurlionis-Kunstmuseums um. 

Das gesamte Museum ist geprägt von der außergewöhnlichen kreativen Ausstrahlung von M. K. Čiurlionis als litauischem Maler, Schriftsteller, Komponisten und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Das Museum ist das älteste Kunstmuseum in Litauen, das 1921 gegründet wurde. Die Architektur des Gebäudes ist ein einzigartiges Zeugnis des goldenen Zeitalters von Kaunas – der Zwischenkriegszeit. Das Museum ist Anwärter auf den Status als Weltkulturerbe der UNESCO. Die Besonderheit des Gebäudes steckt darin, dass es sowohl in der Zeit der temporären Hauptstadt Litauens als auch in der Gegenwart zwei unterschiedlichen Materien vereint –Kultur und Krieg. Die Architektur des nationalen M. K. Čiurlionis-Museums scheint auch die Motive der Gemälde von M. K. Čiurlionis widerzuspiegeln – die Fassade des Hauptgebäudes erinnert an die Symbolik der Krone, die in der Werkschöpfung von Čiurlionis häufig auftaucht.

Im M. K. Čiurlionis-Kunstmuseum werden fast alle Gemälde, Manuskripte, Aufnahmen von Musikstücken, die sowohl in der frühen als auch der späten Schaffensperiode stammen, aufbewahrt. Das Museum ist der einzige Ort weltweit, an dem man fast ganzen Nachlass des berühmtesten litauischen Malers, Komponisten, Schriftstellers und Person des öffentlichen Lebens M. K. Čiurlionis finden kann.

Ein Besuch im Museum gibt Ihnen eine Möglichkeit, den kreativen Horizont zu erweitern und die berühmtesten Kunstwerke des Autors kennenzulernen. Beginnend mit den Gemäldezyklen „Begräbnissymphonie“, „Tag“, „Sintflut“, über „Sonnensonate“, „Frühlingssonate“, „Meeressonate“, „Sommersonate“, „Pyramidensonate“, „Sternensonate“ bis hin zum Höhepunkt aller Werke – dem Gemälde „Rex“ – der Darstellung eines mystischen Königs, der über dem Planeten Erde schwebt und sich fast schon im Kosmos auflöst.

Seine Bilder sind melancholisch, schwebend, fast lebendig, subtil gemalt, haben ein wenig Ähnlichkeit mit den Werken von Salvador Dali, in denen quasi ein Teil der lebendigen Seele des Künstlers erhalten ist. M. K. Čiurlionis wird als als berühmtester litauischer Maler und Komponist, der jemals gelebt hat, bezeichnet. Zu seinen bekanntesten musikalischen Werken gehören die Symphonischen Dichtungen „Das Meer“ und „Im Walde“. Zu seinen bekanntesten Gemälden zählen „Königsmärchen“, „Rex“, „Pyramidensonate“ und „Sternensonate“.

Die Kunst von M. K. Čiurlionis ist fast unabhängig vom historischen Kontext. Die biblischen, christlichen Motive verflechten sich in seinen Werken mit einem breiteren Weltbild. Es gibt Werke, in denen unter Verwendung von Volksmotiven und der Symbolik des litauischen „Vytis“ die Kunst zum Mittel der Hervorhebung eines nationalen Selbstbewusstseins eingesetzt wird. Der Künstler versucht auch, die archaischen mythologischen Traditionen des Volkes im Unterbewusstsein zu beleben, wie etwa in seinen Gemälden „Friedhof der Žemaiten“, „Wegekreuze der Žemaiten“, „Der Donner“, „Der Altar“.

Bei einem Besuch des Museums ist es zu empfehlen, sich Zeit zu nehmen und zu hören, was der geniale Künstler dem Zuhörer mit seinen musikalischen Werken vermitteln wollte. M. K. Čiurlionis hatte ein einzigartiges Gehör, deshalb wird dem musikalischen Nachlass des Künstlers im Museum so große Bedeutung beigemessen. Im Museum gibt es die Möglichkeit, die Manuskripte der Musikwerke von M. K. Čiurlionis betrachten. Im Musiksaal sind die Besucher eingeladen, sich die berühmtesten Musikstücke von M. K. Čiurlionis anzuhören.

Kaunas ist immer noch als Ort der meisten Erinnerungen mit diesem Künstler verbunden. Das Museum, das seinen Namen trägt, verwaltet heute den größten Teil seines Nachlasses.